| Kultur |
|
Hier saß in Würde und Hoheitder Senat von Bremen, stattlichePerücken, Muth im Herzen, undjeder einen Römer vor sich. Hier,hier, nicht oben auf der Erde,hier war ihr Rathaus, hier dieHalle des Senats; denn hier beimkühlen Weine berieten sie sichüber das Wohl der Stadt.Wilhelm Hauff
Die innige Liebe der Bremer Ratsherren zu ihrem "köstlichen Fundament" ist nicht erst seit den heiteren Beschreibungen des berühmten Dichters Wilhelm Hauff in seinen "Phantasien im Bremer Ratskeller" ein offenes Geheimnis. Im Ratskeller ließ sich die hanseatische Streitkultur der Bürgerschaft beim Wein zivilisieren. Nicht in der Belle Etage des Rathauses waren Politik und Geschäft zu Hause, sondern „unter Tage" fand man die hohen Herrn konsensbereit vereint beim Rebensaft. Bacchus' Hallen unter dem Rathaus vermittelten auch immer etwas vom Schein des schönen Lebens, von einer geistvollen Unterhaltung, der heiteren, auch besinnlichen Gegenwelt zum oftmals rauen Realismus des politischen Alltags und den Fährnissen des Handels. Nicht zuletzt kündeten sie von einem kultivierteren Umgang miteinander. Neben den einzigartigen Weinen, die hier genossen werden können, hat vor allem diese besondere Atmosphäre seit jeher berühmte und interessante Gäste aus aller Welt in den Ratskeller gelockt.
Zu Besuch im Bremer Ratskeller – Persönlichkeiten der europäischen Geistesgeschichte zwischen Literatur, Kunst und Politik
Beim Blick auf die Ahnengalerie dieser illustren Persönlichkeiten, die sich in diesem Mekka des Weins heimisch fühlten, lässt sich ein Stück europäische Geistes- und Kulturgeschichte besichtigen. Dabei verbindet sich vor allem das reiselustige 18. und 19. Jahrhundert mit berühmten Namen. Goethe bezog seine Weine aus dem Bestand des Ratskellers, Wilhelm Hauff verfasste hier sein spukhaftes Zechmärchen, Heinrich Heine ließ sich in seinen „Nordsee”- Versen zu selbstironischen Bemerkungen auf seinen „unterirdischen Rausch" im Ratskeller hinreißen, der russische Schriftsteller Nikolai Gogol gönnte sich hier eine kreative Verschnaufpause. Theodor Fontane ließ sich 1880 durch die Kellerräume führen und zeigte sich vom 1727er Rüdesheimer beeindruckt. Vielfach sind auch Musiker und berühmte Komponisten von den Bremern im Ratskeller gefeiert worden: Im April 1868 war Johannes Brahms nach der Uraufführung seines Deutschen Requiems, das vor rund 2000 Hörern im Bremer Dom stattgefunden hatte, mit Freunden und Künstlern zu Gast. Wilhelm II. lud von 1890 bis 1914 jedes Jahr einmal zum großen „Kaiserfrühstück" in das repräsentativ - prunkvolle Kaiserzimmer. Für Staats und Ehrengäste gehört ein Besuch im Bremer Ratskeller nach wie vor zu einem der Höhepunkte ihrer Visite in der Hansestadt. Wer heute den Ratskeller betritt, der lässt sich hingegen nicht nur von diesem Panoptikum berühmter Geister inspirieren. Für Überraschung sorgen außerdem die wertvollen und auch kunstgeschichtlich bedeutenden Fresken von Max Slevogt, der die Hauffschen „Phantasien" kongenial in Malerei übersetzt hat. Zum Seitenanfang |











